Samstag, 20. Mai 2017

Frühjahrstreffen 2017 des Arbeitskreises Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik in der DeGEval. Erste Eindrücke aus deutscher Perspektive

Gestern, am 19.Mai 2017, fand das diesjährige Frühjahrstreffen des AK FTI der DeGEval statt. Wir haben uns dieses Jahr in Wien getroffen, entsprechend war auch das Programm deutlich österreichisch geprägt, genauso wie die Teilnehmer. Aber es waren auch ein paar deutsche Teilnehmer dabei, und für die waren die Präsentationen möglicherweise sogar noch interessanter als für ihre österreichischen Kollegen, die einiges doch schon gekannt haben dürften. Gerade im Kontrast zur deutschen Evaluationswirklichkeit hatten viele Beiträge ihren besonderen Reiz.

So berichtete Brigitte Ecker (WPZ Research) von der gerade abgeschlossenen Evaluation der österreichischen steuerlichen F&E Förderung. In Deutschland wird das Thema gerade mal wieder heiß diskutiert, und mein Tipp ist schon, dass wir nach der Bundestagswahl eine solche steuerliche Förderung sehen werden. Brigitte Ecker legte den Schwerpunkt ihres Vortrags allerdings weniger auf die inhaltlichen Ergebnisse, sondern vielmehr auf die methodischen Herausforderungen. Und die waren beträchtlich, da die eigentlich interessanten Datensätze kaum miteinander verknüpft werden konnten. Unterm Strich kommt die Evaluation aber durchaus zu dem Ergebnis, dass sich eine steuerliche FuE-Förderung auf das Innovationsverhalten der Unternehmen auswirkt, in diesem Sinne interpretierten die österreichischen Auftraggeber wohl auch die Evaluationsergebnisse als Auftrag, die Förderung weiter auszubauen. Aber aufgepasst, in der deutschen Diskussion wird ja insbesondere ein Effekt für kleine und nur unregelmäßig innovierende KMU erwartet. Und hier scheinen die österreichischen Ergebnisse eine solche Erwartungen nicht unbedingt zu bestätigen. Es lohnt also die Lektüre des Evaluationsberichts.

Sascha Ruhland (KMU Forschung Austria) präsentierte eine Evaluation der Garantieinstrumente der AWS. Der Schwerpunkt lag auf der methodischen Herausforderung eines Kontrollgruppenansatzes, der sich auf einen ​sogenannten propensity score match Ansatz stützte. Der Beitrag zeigte, wie aufwendig und damit kostspielig so ein Vorgehen letztlich ist. Möglich war es in diesem Fall auch nur, weil die Evaluationseinrichtung (KMU Forschung Austria) Zugang auf einen langjährigen und breiten Datensatz hatte, der für die Auswahl der Kontrollgruppe herangezogen werden konnte. Deutlich ergiebiger war nach Einschätzung des Referenten allerdings der Zugang über Befragung und Interviews, weil nur hier die Wirkungszusammenhänge aufgearbeitet werden konnten. Für die in deutschen Evaluationsausschreibungen mittlerweile fast standardmäßig enthaltene Forderung nach Kontrollgruppen ansetzen ist dies eine interessante Praxiserfahrung gewesen.

Einen in Deutschland eher unbekannten Sachverhalt schilderte der Beitrag von Rupert Pichler und Mario Steyer (BMVIT) zur wirkungsorientierten Haushaltsführung. Über alle Ressorts hinweg muss in Österreich seit ein paar Jahren ein auf verschiedenen Hierarchieebenen gegliedertes System an Zielformulierungen und Indikatoren zur Überprüfung der Zielerreichung formuliert werden. Die Formulierung von Oberzielen der Innovationspolitik ist für das Politikfeld nicht wirklich neu, man denke nur an das 3% Ziel in Deutschland. Möglicherweise ist das in anderen Ressorts anders, daher ist auch die wirkungsorientierte Haushaltsführung vielleicht eine gute Idee, um für konkrete Zielformulierungen zu sensibilisieren. Für die Frühjahrstagung interessierte uns insbesondere, ob dieses übergreifend installierte System Rückwirkungen auf die Evaluationspraxis im Politikfeld hat. Um es kurz zu machen: Hat sie im Moment noch nicht. Während Monitoringdaten, die z.b. die FFG in ihrem Wirkungsmonitoring erheben lässt, auch in das Indikatorensystem der wirkungsorientierten Haushaltsführung einfließen (können), sind Evaluationsergebnisse von klassischen Maßnahmenevaluation in vollkommen losgelöst von diesem System. Hier läuft alles wie bisher.

Ein Vortrags-Block des Frühjahrstreffen widmete sich sogenannten missionsorientierten Programmen und ihrer Evaluation. Die übergreifende Frage war, ob es Unterschiede zu klassischen Programmen z.b. der Technologieförderung gibt. Ein wesentliches Problem solcher missionsorientierten Programme ist, das zeigte sehr schön der Beitrag von Marianne Kulicke (FhG ISI), dass Ziele relativ vage formuliert und kaum in Indikatoren zu operationalisieren sind. Die Ziele haben außerdem einen sehr langfristigen Charakter, sodass sie in Hinblick auf die Zielerreichung kaum evaluierbar sind. Und was auch fehlt, ist häufig ein Wirkmodell, wie klassische F&E Förderung eigentlich zur Erreichung solcher übergeordneten, gesellschaftlichen Ziele beitragen soll.

Friedemann Call vom Projektträger DLR präsentierte eine Evaluation aus Baden-Württemberg zu Maßnahmen im Bereich der Klimaanpassung. Interessant war z.b., dass hier eine ganze Reihe von Maßnahmen schon seit längerer Zeit gefördert werden, während eine übergreifende Strategie auf Landesebene erst nachträglich beschlossen wurde. Entsprechend schwierig war es, hier wieder den Bezug zwischen übergreifender politischer Zielsetzung im Bereich gesellschaftliche Herausforderungen und konkreter Projektförderung zu operationalisieren.

Der letzte Beitrag von Norbert Knoll (AWS) beschäftigte sich mit den Folgen der Digitalisierung auf das Fördergeschäft. Im Moment geht es hier vor allen Dingen um eine Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung. Inwiefern hier mittelfristig auch neue Monitoringdaten erzeugt werden, die langfristig bestimmte Evaluationsinhalte versetzen, konnten wir in der Diskussion nur anreißen.

In der abschließenden Diskussion brachten die deutschen Teilnehmer zunächst einmal den Eindruck ein, dass vieles in Österreich doch anders läuft, vermutlich auch bedingt durch die etwas zentralen Strukturen, die sich aus den beiden Agenturen FFG und AWS ergeben. Andererseits ist dann die Evaluationspraxis, sind die Evaluationsberichte in Österreich gar nicht so viel anders als die in Deutschland.

Donnerstag, 6. April 2017

PROGRAMM zum Frühjahrstreffen des AK FTI der DeGEval 2017 in Wien

Veranstaltungsort:

Austria Wirtschaftsservice (aws), 1020 Wien, Walcherstrasse 11A


Ansprechpartner und Anmeldung: 

Mag. Iris Fischl / KMU Forschung Austria, i.fischl@kmuforschung.ac.at

 

AGENDA



Einführung und Überblick
09:30
Einführung in die Veranstaltung
Überblick über aktuelle Entwicklungen der FTI-Evaluation in Österreich
Iris Fischl
(KMU Forschung
Austria)
09:45
Überblick über aktuelle Entwicklungen der FTI-Evaluation in Deutschland
Jan Wessels (iit) / Marianne Kulicke
(Fraunhofer ISI)
Praxisberichte: alternative Förderinstrumente
10:00
Evaluation des aws-Garantie-Instrumentariums
Sascha Ruhland
(KMU Forschung
Austria)
10:30
Evaluation der Forschungsprämie gem. § 108c EstG
Brigitte Ecker
(WPZ Research)
11:00 - 11:15 Kaffeepause
Praxisberichte: missionsorientierte Maßnahmen
11:15
Evaluation im DLR Projektträger am Beispiel
einer Maßnahme im Bereich Klimaanpassung
Friedemann Call (DLR)
11:45
Evaluation der Nationalen Forschungsstrategie
BioÖkonomie 2030
Marianne Kulicke
(ISI Fraunhofer)
12:15 - 13:15 Mittagspause
Praxisberichte: Wirkungsorientierte Folgenabschätzung, Wirkungsindikatoren
13:15
Wirkungsorientierte Folgenabschätzung in Ministerien (Auftraggeber) – aktuelle Einsichten
Rupert Pichler /
Mario Steyer
(BMVIT)
13:45
Indikatoren zur Erfassung der Wirkungen von
Förderungen der FFG
Michael Dinges (AIT)
Sabine Mayer / Henrike Hügelsberger  (FFG)
14:15
Was bedeutet Innovationsförderung 4.0 für Evaluierung 4.0? Chancen der Digitalisierung von Förderungsdienstleistungen für die Evaluation von Innovationsförderungen.
Norbert Knoll (AWS)
14:45-15:00 Kaffeepause
Abschlussdiskussion mit Blick auf die Zukunft
15:00
·         Erkenntnisse des Tages mit Blick auf die Zukunft der FTI-Eval
·         Abschlussdiskussion
16:15
Ausblick, Allfälliges, Ende der Veranstaltung
 

Donnerstag, 23. Februar 2017

Save the Date: Frühjahrstreffen des AK FTI der DeGEval am 19. Mai 2017 in Wien

Das Frühjahrestreffen des AK FTI der DeGEval findet am 19. Mai 2017 in Wien in der Austria Wirtschaftsservice (aws) - Walcherstrasse 11A, 1020 Wien - statt.

Die DeGEval feiert 2017 ihr 20-jähriges Jubiläum und stellt ihre Jahrestagung daher unter das Motto „Zukunft der Evaluation“. Das Frühjahrstreffen 2017 des AK FTI greift dieses Thema auf und richtet seinen Fokus auf den aktuellen Rand des Evaluationsgeschehens im Politikfeld FTI.

Das Treffen widmet sich aktuellen Entwicklungen im Politikfeld FTI und Konsequenzen für Evaluationsansätze und -methoden.

Im Vordergrund stehen dabei neue/angepasste bzw. alternative Förderungsformate, und wie EvaluatorInnen diesen Anforderungen mit ihren Evaluationsansätzen und -methoden begegnen. Welche neuen methodischen Zugänge gibt es, welche bisherigen Erfahrungen wurden gemacht? Und was heißt das für die Zukunft der Evaluation im Politikfeld FTI?

Darüber hinaus sind auch Anforderungen und Erwartungen Thema des Treffens, die sich aus der Wirkungsorientierten Folgenabschätzung (WFA) in Österreich und dem deutlich gestiegenen Stellenwert von Wirkungskontrollen zu Fördermaßnahmen in Deutschland für externe Evaluationen, ergeben.

Das Frühjahrstreffen des AK FTI richtet sich insbesondere an EvaluatorInnen, an Auftraggeber von Evaluationen wie auch an Intermediäre wie Förderagenturen und Projektträger. Im Vordergrund stehen weniger konkrete Evaluationsergebnisse, sondern vielmehr der Erfahrungsaustausch zu praktischen Herangehensweisen im Zuge von Evaluationen.


+++ PROGRAMM FOLGT +++
Kontakt / Ansprechpartnerin für diese Veranstaltung: Mag. Iris Fischl / KMU Forschung Austria, Mail: i.fischl@kmuforschung.ac.at /

fteval-Newsletter Februar 2017


In dieser Ausgabe des eNewsletters sind folgende Beiträge zu finden:  

Rückblick Open Evaluation 2016

Die Open Evaluation 2016 Konferenz, die am 24. und 25. November in Wien stattfand, war die größte, europäische Konferenz zum Thema Evaluierung von Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. Die Konferenz wurde von der Österreichischen Plattform für Forschungs- und Technologiepolitikevaluierung, dem Manchester Insitute of Innovation Research (MIoIR) sowie IFRIS - Institut Francilien Recherche Innovation Société organisiert. Wir bedanken uns nochmals bei allen Präsentierenden, Key-Note SpeakerInnen, Panel-TeilnehmerInnen, den TeilnehmerInnen sowie den Sponsoren (BMVIT, BMWFW, WWTF, FFG, FWF und Danube INCO.Net) – ohne Ihre Arbeit und Unterstützung wäre dieser erfolgreiche Event nicht möglich gewesen. Hier finden Sie ein zusammenfassendes Video, alle Informationen, Präsentationen, Poster und Bilder zu dieser Veranstaltung




2017 Annual Conference of Eu-SPRI Forum: "The Future of STI - The Future of STI Policy"

Von 7. Bis 9. Juni 2017 wird in Wien die jährliche Konferenz des Eu-SPRI Forums stattfinden. Der Call of Abstracts ist noch bis 13. Februar offen. Einreichungen sind unter 12 verschiedenen Tracks, die unter dem Thema “The Future of STI – The Future of STI Policy” stehen, möglich. Schwerpunkt der Konferenz liegt auf sich ändernden Praktiken und Strukturen in Forschung, Entwicklung und Innovation. Die Konferenz wird vom Center for Innovation Systems & Policy des Austrian Institute of Technology (AIT) organisiert. Alle Informationen zur Konferenz und dem Call finden sie hier



AK FTI der DeGEval: Frühjahrestreffen 2017 - Save the date & Call

Das diesjährige Frühjahrstreffen des Arbeitskreises FTI wird am 19. Mai 2017 in Wien in den Räumen des Austria Wirtschaftsservice (aws) in Wien stattfinden und widmet sich aktuellen Entwicklungen im Politikfeld FTI und Konsequenzen für Evaluationsansätze und –methoden. Im Vordergrund stehen dabei neue/angepasste bzw. alternative Förderungsformate, und wie EvaluatorInnen diesen Anforderungen mit ihren Evaluationsansätzen und –methoden begegnen. Welche neuen methodischen Zugänge gibt es? Welche bisherigen Erfahrungen wurden gemacht? Und was heißt das für die Zukunft der Evaluation im Politikfeld FTI?

Darüber hinaus sind auch Anforderungen und Erwartungen, die sich aus der Wirkungsorientierten Folgenabschätzung (WFA) in Österreich und dem deutlichen gestiegenen Stellenwert von Wirkungskontrollen zu Fördermaßnahmen in Deutschland für externe Evaluationen ergeben, Thema des Treffens. Das Programm ist grundsätzlich noch offen - Beiträge in Form von Berichten über aktuelle / kürzlich abgeschlossene Evaluationen sowie Beiträge von Auftraggebern / Agenturen sind willkommen. Vorschläge bitte per Mail an i.fischl@kmuforschung.ac.at bis 16. Februar 2017.



Call zur STS Konferenz Graz - Call for Abstracts

Die diesjährige Konferenz – STS Conference Graz 2017 – wird den thematischen Fokus auf soziale Gerechtigkeit in Forschung, Technologie und Umweltfragen legen. Im Zentrum der Diskussion wird die Frage der systematischen Diskriminierung sozialer Gruppen in sozio-technischen und wissenschaftlichen Prozessen stehen. Die jährliche STS Konferenz wird vom Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Alpen-Adria-Universität (STS), dem Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) and dem Institute for Advanced Studies on Science, Technology and Society (IAS-STS) organisiert. Die Konferenz findet am 8. und 9. Mai in Graz statt. Deadline für die Einreichung von abstracts ist der 14. Februar 2017. Alle Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.